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Permanenter Wandel

Blumen erblühen und verblühen. Auch Menschen erblühen und verblühen immer wieder neu. Bereits mit der Zeugung beginnen wir, uns permanent zu verwandeln. Das immer wiederkehrende „Stirb und Werde“ ist einprogrammiert in unsere DNA. Wir werden geboren, wachsen, kommen in die Pubertät, bekommen Kinder, kommen in die Wechseljahre, werden gebrechlich und dann kommt irgendwann der Tod. In der Chinesischen Medizin wird diesen „Übergängen“ in eine neue Lebensphase besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Ein stimmiges Hinüberwechseln bedeutet aus TCM-Perspektive, dass „Altes“ abgestoßen bzw. transformiert wird und „Platz für Neues“ entsteht. Aus Übersetzungen traditioneller Schriften wird zunehmend deutlich, dass dieses Programm weniger metaphysisch als absolut medizinisch, naturwissenschaftlich verstanden werden kann. So haben Babys zum Beispiel für die Geburt notwendige Reflexe, die dabei helfen, den Geburtskanal zu durchqueren. Nach der Geburt sollten die Reflexe abklingen, denn sie stören die weitere Entwicklung. Genauso unterliegt jede weitere Lebensphase Bedingungen, die in späteren Phasen keine Rolle mehr spielen sollten. So ist die übermäßige Produktion von Sexual-Hormonen in der Lebensphase der Fortpflanzung notwendig. Im höheren Alter wird diese Energie für andere Prozesse benötigt.

Was bedeuten Yin und Yang

Yin und Yang beschreiben körperliche Abläufe: Yang bedeutet Aktion und Hingabe an die Herausforderungen des Lebens. Dafür benötigen wir Energie. Das Yin steht für die „Substanz“, die dabei verbraucht wird. So wie Benzin bei einem Auto.

Der TCM Professor Johannes Greten hat ein anschauliches Bild für die Yin und Yang-Verhältnisse im Körper entwickelt: Er beschreibt den Körper als einen Wasserbehälter, der im gesunden Organismus im Alter von 25 Jahren bis zum oberen Rand gefüllt ist. Das Wasser steht für die Fülle des Yin. Wird ein Mensch aktiv, so vergleicht Greten dies mit einem Tauchsieder, der das Wasser erwärmt – sozusagen als Betriebstemperatur – was das Yang umschreibt. Dabei verdunstet das Wasser. Die Analogie zeigt: Durch Aktion (Yang) wird Yin verbraucht. In der westlichen Medizin gibt es für diesen Zusammenhang keine medizinische Beschreibung oder auch nichts, was messbar wäre. Dennoch erscheint es logisch, dass die Lebensenergie eines Menschen durch das Leben selbst verbraucht wird.

Das bedeutet: Je älter wir werden, umso mehr Wasser ist bereits in den Himmel gedampft. Der Wasserstand im Behälter ist deshalb auf der einen Seite abhängig vom Lebensalter. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Vor allem aber wirkt unser Lebensstil auf die Fülle des Behälters ein. Denn je geforderter wir im Laufe unseres Lebens sind – sei es seelisch, körperlich oder geistig –, umso mehr Wasser verdampft zusätzlich durch den Tauchsieder. Wer sich also mehr anstrengt, also wessen Tauchsieder mehr Hitze erzeugt, dessen Wasserbecken ist weniger voll.

Yin Mangel

Nun könnte man annehmen, dass Ruhe, Schlaf und Langeweile das Einzige sind, was gesund erhält bzw. das Yin schützt. Hier sei angemerkt, dass Yin und Yang einander bedingen. In der Analogie des Wasserbeckens bedeutet das: Würde der Tauchsieder niemals anspringen, würde die Dynamik des Systems verloren gehen. Das Becken bliebe eiskalt. Diese Einseitigkeit wird dem, was wir „Leben“ nennen, nicht gerecht. Denn da gilt es auch, sich einzubringen, Talente umzusetzen und mit Menschen in Beziehungen zu stehen. All das wird mit dem Begriff „Yang“ umschrieben. Das bedeutet in punkto Gesundheit und erfülltes Leben, dass es ist genauso wichtig ist, immer wieder in die Aktion zu gehen.

Und das ist nicht nur ein TCM-Konstrukt. Schon Hippokrates betont in seinen Schriften „Die alte Heilkunst“, wie wichtig es ist, das rechte Maß zu halten: „Als Maß wird man keine Zahl und kein Gewicht finden auf die man sich beziehen könnte, um zu exakten Ergebnissen zu gelangen, sondern nur die körperliche Empfindung.“

Dennoch ist die Umschreibung zum Yin-Mangel in westlichen, leistungsorientierten Gesellschaften von zentraler Bedeutung. Hier sind die Menschen großenteils im Dauer-Einsatz, so dass es nicht verwunderlich ist, dass Yin Mangel bei Menschen ab 40 Jahren in hiesigen Breitengraden besonders verbreitet ist.